Dr. Beate Kayser, Theaterkritikerin der Münchner tz, führte vor der „Alkaid“-Premiere ein Interview mit Frank-Markus Barwasser und Regisseur Josef Rödl. Ein Gespräch über Pelzig, über Theater – und über geregelte Arbeitszeiten.
tz München, April 2010:
Am 24. April kommt am Staatsschauspiel Frank-Markus Barwassers erstes Theaterstück heraus. Er selbst ist übrigens als junger Mann bei der Aufnahmeprüfung der Schauspielschule Bochum mit Pauken und Trompeten durchgefallen. „Ich stand dort als verklemmtes Bürschlein und hatte die Unverschämtheit, einen eigenen Text vorzutragen“, sagte der 50-Jährige dem Münchner Merkur. Die Prüfer hätten ihm damals empfohlen, „kein Fahrgeld zu verschwenden und nicht anderswo vorzusprechen“. Einige Jahre später wurde dann sein Alter Ego „Erwin Pelzig“ geboren, der in seinem ersten Theaterstück „Alkaid – Pelzig hat den Staat“ im Bett die Hauptrolle spielt. Die Regie überlässt Barwasser dabei dem hochgelobten und vielfach preisgekrönten Film- und Theaterregisseur Josef Rödl, der auch als Drehbuchschreiber und Tatort-Regisseur einen guten Namen hat. Die tz sprach mit beiden.
tz: Wie ist die Lage, kurz vor der Premiere? Da kommt doch immer der Moment, an dem eigentlich allesschiefgeht und man nicht für möglich hält, dass die Premiere überhaupt herauskommt, oder?
Beide: Nein, gar nicht. Wir haben eine kreative Zeit hinter uns und freuen uns. Na ja, ein bisschen unruhig ist man immer.
Frank-Markus Barwasser: An meinem Geburtstag, dem 16. Februar, haben wir mit den Proben angefangen. Das hat mich über den 50. hinweggetröstet.

tz: Wie sucht man sich die Darsteller aus, wenn man das Theater nicht ganz genau kennt?
Josef Rödl: Wir haben fünf Schauspieler, außer Pelzig und der Komparserie, und haben jeden in mindestens zwei Vorstellungen angesehen.
tz: Über den Text erfährt man bisher nur in großen Zügen etwas.
Barwasser: Ja, wir finden es besser, wenn das Stück nicht schon vor der Aufführung beurteilt wird. Es soll seine Chance auf der Bühne haben.
tz: Hat Josef Rödl Ihnen schon vorher über die Schulter schauen dürfen?
Barwasser: Ja, er kam immer mal wieder dazu, und er hatte auch Einwände gegen die erste Version. Da waren zu lange Monologe drin. Das wäre Steh-Theater geworden. Es soll auch nicht verkapptes Kabarett werden. Mein Ehrgeiz ist schon ein richtiges Theaterstück. Es hat natürlich die Nähe zum Autor Barwasser, aber ich kann es mir auch gut ohne mich, mit einem anderen Schauspieler, mit einer so ein bisserl skurrilen Figur vorstellen.
tz: Wollen Sie in diesem Text die zu schnelle Abfolge von Pointen vermeiden?
Barwasser: Da muss ein längerer Atem her, und den muss man sich erarbeiten. Der Zuschauer muss aushalten, dass da nicht alle drei Minuten eine Pointe abgeschossen wird. Wir wollen nicht Kabarett mit Theaterelementen, sondern eine richtige Komödie. Wenn es nicht zu unbescheiden ist, würde ich sagen, in Richtung Feydeau.
tz: Wie haben die Schauspieler auf den Kollegen Barwasser reagiert?
Beide: Sie waren neugierig. Der Pelzig ist ja eine Figur, an der man sich reibt. Er ist auch nicht der Star, der die anderen in den Hintergrund spielt. Die müssen alle Raum haben, sich entwickeln. Es ist ein Geben und Nehmen. Und in der Vorbereitung, wenn man den Text genau auseinandernimmt, kommt schon heraus, wo es hakt – gut, dass der Autor immer dabei ist!
tz: Können Sie nicht doch verraten, worum es ungefähr geht?
Barwasser: Es klingelt an Pelzigs Wohnung, und zwei Leute vom Landeskriminalamt wollen eine Kamera aufstellen, um die Nebenwohnung zu überwachen. Pelzig, den das eigentlich gar nicht interessiert, weil er ein Verträumter ist, der Sterne beobachtet – Alkaid ist ein Stern, und der politische Anklang des Namens ist beabsichtigt –, wird da hineingezogen. Es steht Romantik gegen Aufklärung. Aber nun Schluss. Mehr verrate ich nicht.
tz: Gefällt Ihnen die Theatererfahrung?
Barwasser: Seeehr! Man sieht sich täglich; es ist eine verschworene Gemeinschaft. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich geregelte Arbeitszeiten. Ist doch eine luxuriöse Situation: Arbeit in der warmen Stube, und alle können davon leben!
tz: Sieht Pelzig das auch so?
Barwasser: Ich glaube, ja. Er spricht auf der Bühne, wie er eben spricht, hat auch dasselbe an. Wir haben Jeans überlegt, aber das geht nicht.
Rödl: Er hat zum Hemd auch eine rotkarierte Bettdecke!
Barwasser: Eigentlich habe ich ihn ja noch nie bei sich zu Hause gezeigt. Ich wollte ihn ja nicht definieren.
tz: Sie reden inzwischen wirklich von ihm wie von einer zweiten Person.
Barwasser: Ist er auch. Ich habe jedenfalls verfügt, das er an meinem Grab spricht.

