Dr. Göbel

Leicht mache ich es ihm nicht, dem Herrn Doktor Göbel. Was musste er schon alles einstecken, nicht zuletzt von den Kritikern. Daß er „protestantisch-konservativ“ sei, ist da noch eine sehr harmlose Bemerkung. „Verklemmter Puritaner“ und „genussunfähig“ nannte man ihn, „näselnd-nörglerischer Akademiker“ oder – darüber ist Dr. Göbel bis heute kaum hinweggekommen: „Schleimiger Biedermann“. Dabei würde er so gerne mal seine guten Seiten zeigen, wenn ich es nur zuließe. Aber ich lasse es nicht zu.

Das missfällt manchen Zuschauern, die gerade in der letzten Zeit häufig ein gewisses Mitleid mit Göbel bekunden und mich tatsächlich gebeten haben, ihn besser zu behandeln. Das habe er nicht verdient. Auch Dr. Göbel selbst bat mich jüngst, ihn in bessere Gesellschaft hineinzuschreiben. Schließlich habe er einen hochinteressanten Bekanntenkreis. Ich muß das alles ablehnen. Außerdem bezweifle ich die angeblich guten Seiten (zudem weiß ich, was sich in Göbels Schließfach bei der Dresdner Bank befindet, will darauf aber lieber nicht eingehen). Nein, ich brauche Göbel so, wie er ist. .

So einer eignet sich zu gut als Opfer, und das ist er nun in der Tat sehr häufig. Weil ich aber durchaus so etwas wie Gerechtigkeitssinn verspüre, sorge ich dafür, dass er wenigstens zurecht als Opfer herhält. Denn der wahre Pharisäer im Trio ist Dr. Göbel: ein deutscher Intellektuellen-Darsteller, der Liberalität mit Positionslosigkeit verwechselt, dessen Fahne fröhlich im Winde baumelt und deren Mast in einem Sumpf morastigen Selbstmitleids und falschen Weltschmerzes verankert ist.

Mitleid habe ich nur mit seiner Frau Irmel. Sie ist das Opfer des Opfers, und allein dies rechtfertig es wohl, ihn weiterhin der ständigen Anwesenheit von Pelzig und Hartmut auszusetzen. Immerhin gönne ich Herrn Dr. Göbel gelegentlich entspannte Stunden fernab der beiden andern Herren: als Schriftführer im Verein für zeitgenössische Kirchenbestuhlung hat er mehrfach im Monat die Gelegenheit, frohe Stunden im Kreise fröhlicher Christen zu verbringen. Das hat er sich wirklich verdient.

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